Fersensporn – Plantarfasziitis

Wenn die Ferse schmerzt

Sollte man bei klinischem Verdacht auf eine Plantarfasziitis ein MRT anfertigen lassen?

Die Diagnose kann mit hinreichender Sicherheit anhand der klinischen Untersuchung gestellt werden. Veränderungen des Knochens können durch ein Röntgenbild festgestellt bzw. ausgeschlossen werden. Ein MRT ist nicht erforderlich.

Muss der Fersensporn operativ entfernt werden?

In der Regel nicht. Eine Operation zur Entfernung des Fersensporn ist nicht erforderlich. Führt man allerdings eine operative Einkerbung der Plantarfaszie zur Entspannung der Sehnenplatte bei chronischen Beschwerden durch, bietet sich eine gleichzeitige Entfernung der „knöchernen Ausziehung“ an.

Für die schnellen Leser – Auf einen Blick

Bei der Plantarfasziitis handelt es sich um eine überlastungsbedingte Reizung der Sehnenplatte der Fußsohle. Typischerweise treten die Veränderung und damit die Schmerzen nahe am Fersenbein auf. Als Folge eines lang bestehenden Reizzustandes kann sich eine knöcherne Ausziehung des Fersenbeins entwickeln, die dann als Fersensporn bezeichnet wird. Der Fersensporn selbst verursacht keine Beschwerden. Viele Patienten entwickeln im Laufe ihres Lebens einen Plantarfasziitis und Leiden dann an Fersenschmerzen. Meistens ist eine erfolgreiche Behandlung, bestehend aus einer konsequenten Weichbettung der Ferse und Dehnübungen der Achillessehne erfolgreich, wobei die Beschwerden nicht selten erst nach 6-9 Monaten zurückgehen. Bei anhaltenden chronischen Schmerzen kann eine Stosswellenbehandlung helfen. Eine operative Entlastung der Sehnenplatte ist nur in seltenen Fällen erforderlich.

Ausführliche Darstellung: Was ist ein Fersensporn?

Fersenschmerzen gehören zu den häufigsten Problemen, mit denen Patienten einen Fußspezialisten aufsuchen. Statistisch gesehen, leiden etwa 60 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal in ihrem Leben an Fersenschmerzen.

Die Muskulatur der Fußsohle ist im hinteren Bereich am Fersenbein angeheftet. An der Grenze zur Fußsohle findet sich eine Sehnenplatte d.h. eine flache Sehne, die direkt der Muskulatur aufliegt. Diese Sehnenplatte bezeichnen Mediziner als Plantarfaszie. Eine Entzündung bzw. eine Reizung dieser Sehnenplatte wird Plantarfasziitis genannt. Ein solcher entzündlicher Reizzustand ist in aller Regel ca. einen Zentimeter vom Fersenbein entfernt und schmerzhaft.

Als Fersensporn wird dagegen eine kleine Knochenbildung am unteren Fersenbein bezeichnet. Diese Knochen(neu)bildung ist im Röntgenbild erkennbar, Bei vielen Patienten ist ein solcher knöcherner Sporn erkennbar, ohne dass die Patienten Schmerzen haben. Fersensporn und Plantarfasziitis bezeichnen demnach unterschiedliche Probleme, werden von den Patienten aber häufig als ein Problem wahrgenommen.

Die weiteren Ausführungen beziehen sich auf die Plantarfasziitis, da es sich hierbei um die medizinisch relevante Erkrankung handelt.

Skizze mit Sehnenplatte (unten) und Achillessehne (rechts) und Fersensporn (Kreis)

Warum tut die Ferse weh?

Fersenschmerzen können sehr verschiedene Ursachen haben. Die beiden häufigsten Krankheitsbilder, die zu Fersenschmerzen führen sind:

  • Eine Plantarfasziitis / ein Fersensporn.
  • Eine Reizung der Anheftung der Achillessehne am Fersenbein.

Woher rührt eine Plantarfasziitis?

Reizzustände können verschiedene Ursachen haben. Häufig ist eine (zeitweise) Überlastung der Plantarfaszie / der Fußes der Auslöser. Manche Patienten berichten, dass sie ihre Füße lange auf hartem Untergrund belastet haben. Andere erinnern sich nicht an ein auslösendes Ereignis.
Hat sich der Entzündungszustand (Bakterien spielen in diesem Zusammenhang übrigens keine Rolle) erst einmal eingestellt, ist die gereizte Sehnenplatte leider vermindert belastbar. Dann reichen auch schon Alltagsbelastungen aus, den Reizzustand beizubehalten.

Röntgenbild Detailaufnahme Plantarfasziitis

Was kann ich als Patient tun?

Erfreulicherweise klingt der Reizzustand der Sehnenplatte häufig von allein wieder ab. Im medizinischen Sinne spricht man von einer Tendenz zur Spontanheilung. Leider kann der Prozess der Spontanheilung sehr langwierig sein. Eine Erkrankungsdauer von sechs bis neuen Monaten ist nicht ungewöhnlich.
Die medizinische Literatur zur Behandlung der Plantarfasziitis nennt eine Fülle von Verfahren:

  • Dehnübungen der Achillessehne und der Plantarfaszie. Insbesondere zu Beginn empfiehlt es sich, drei Mal am Tag eine Serie von zehn bis 20 Dehnübungen durchzuführen.
  • Weichbettung der Ferse durch Einlagen oder Fersenkissen
  • Diverse Formen der Elektrotherapie
  • Ultraschall und Stoßwellenbehandlung
  • Nachtlagerungsschienen
  • Kortisoninfiltration

Die Evaluation aller Verfahren ist dadurch erschwert, dass die Beschwerden immer wieder von allein verschwinden können.

Als einfache und vom Patienten selbst durchführbare Verfahren haben sich folgende bewiesen:

  • Dehnübungen der Achillessehne und der Plantarfaszie
  • Weichbettung der Ferse (durch eine Einlage)

Die Injektion von Kortison in die Nähe der entzündlich veränderten Plantarfaszie zeigt eine gute Schmerzlinderung für die Dauer von einigen Wochen, hat jedoch keinen Einfluss auf den Gesamtverlauf der Erkrankung. Das heißt: Eine Spritze schafft vorübergehend Linderung, löst aber das Problem nicht grundlegend.

Hinsichtlich der Dehnübungen der Achillessehne scheint die korrekte Durchführung in Form von exzentrischen Dehnungen von besonderer Bedeutung. Ob die Weichbettung der Ferse mit einem einfachen Gelkissen ausreichend ist, oder ob eine gewölbestützende Einlage mit Fersenweichbettung erforderlich ist, scheint noch nicht abschließend geklärt.

Werde ich als Patient das Problem wieder los?

80 bis 90 Prozent der Patienten werden mit den o.g. Maßnahmen spätestens nach neun bis zwölf Monaten über einen deutlichen Rückgang der Beschwerden bis auf eine „erträgliches Maß“ berichten. Dies bedeutet im Gegenzug, dass zehn bis 20 Prozent mit konservativen Maßnahmen nicht dauerhaft beschwerdefrei werden.
Diesen Patienten können folgende Behandlungsalternativen angeboten werden:

  • Die Behandlung mit hochenergetischem Ultraschall = Stoßwelle (Abbildung Stoßwellenbehandlung)
  • Eine operative Entlastung der Plantarfaszie (ggf. mit Abtragung des Fersensporns)

Etwa zehn Prozent der Patienten leiden auch nach einem Jahr, trotz konsequenter konservativer Behandlung, noch an Beschwerden. Ihnen wird der Arzt eine operative Entlastung der Plantarfaszie oder eine Behandlung mit Stoßwellen(s.u.) vorschlagen.

Operation

Bei einer operativen Entlastung der Plantaraponeurose wird die flächige Sehne auf 50 bis 75 Prozent ihrer Breite von medial nach lateral eingekerbt. Dadurch vermindert sich die „Spannung“ in der flächigen Sehnen sofort. Die Sehne bildet sich mit der Zeit auf dem darunter befindlichen Muskel neu. Die Entlastung (medizinisch: Release) kann als offene Operation oder endoskopisch durchgeführt werden. Wird ein ebenfalls vorhandener Fersensporn gleichzeitig abgetragen, empfiehlt sich die offene Operation. Andernfalls kann das Release der Plantarfaszie endoskopisch durchgeführt werden. Nach der Operation darf der Fuß für ca. zehn Tage nur eingeschränkt belastet werden (20 kg Teilbelastung). Danach kann die Belastung schrittweise gesteigert werden.

Gibt es zur Operation eine Alternative?

In den vergangenen Jahren hat sich die Behandlung mit hochenergetischem Ultraschall (Stoßwelle) als Alternative zur operativen Entlastung der Plantaraponeurose etabliert. Die genauen Wirkmechanismen der Stoßwellenbehandlung sind nicht mit Sicherheit geklärt. An den Grenzen unterschiedlicher Gewebe kommt es, bedingt durch unterschiedliche Schallleitungsgeschwindigkeiten, zu einer Energieentladung. Es wird vermutet, dass durch diese Energieentladung körpereigene Reparaturvorgänge angestoßen werden.
Prinzipiell kann mit hochenergetischer Stoßwelle oder mit niedrigenergetischer Stoßwelle gearbeitet werden. Die Applikation hochenergetischer Stoßwelle ist in der Regel so schmerzhaft, dass sie in Narkose oder in örtlicher Betäubung angewandt werden muss.  Als Alternative hat sich die mehrfache Applikation niedrigenergetischer Stoßwelle etabliert, die ohne Betäubung mehrfach angewendet wird (drei bis fünf Sitzungen).

Behandlung mit hochenergetischem Ultraschall (Stoßwelle)

Wer trägt die Kosten eine Stoßwellenbehandlung?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten einer Stoßwellenbehandlung nur unter bestimmten Bedingung. Bei privaten Krankenkassen ist meist eine medizinische Begründung erforderlich, dass eine konsequente konservative Behandlung leider nicht erfolgreich war und deshalb nun eine Stoßwellenbehandlung ärztlich empfohlen wird.
Seit dem 1.1.2019 kann eine Stosswellenbehandlung eines plantaren Fersenschmerzes zu Lasten der gesetzlichen Krankenkasse durchgeführt werden, wenn u.a. folgende Bedingungen gegen sind:

  • Es handelt sich um einen plantaren Fersenschmerz.
  • Die Beschwerden dauern schon mehr als 6 Monate an.
  • Verschiedene konservative Behandlungsversuche wurden erfolglos durchgeführt.
  • Der Arzt hat die erforderliche fachliche Qualifikation.
    (Alle Angabe ohne Gewähr)

Achtung: Nur die Behandlung des plantaren Fersenschmerzes kann unter bestimmten Bedingungen zu Lasten der gesetzlichen Krankenkasse durchgeführt werden.

Welche Erfolgsaussichten hat eine Stoßwellenbehandlung?

Keine medizinische Behandlung wirkt zu 100%! Bei einer Stoßwellenbehandlung ist mit einer Erfolgsquote von ca. 80% zu rechnen. Unter Erfolg ist eine deutliche Linderung der Beschwerden nach einigen Wochen Behandlung und Regenerationszeit zu verstehen. Nicht selten kommt es zu einer „Erstverschlimmerung“ d.h. zu einer Zunahme der Beschwerden, bevor sich nach einigen Wochen der Behandlungserfolg einstellt.

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